Musterfeststellungsklage Mercedes: Lohnt sie sich für Dieselfahrer?

Im Abgasskandal gibt es eine neue Musterfeststellungsklage: Mercedes ist nach VW der zweite Autohersteller, der eine Klage von Verbraucherschützern kassiert. Rund 50.000 betroffenen Dieselkäufern soll die Klage zu Schadensersatz verhelfen. Doch lohnt sich das Verfahren wirklich? Fünf Gründe, die dagegensprechen und was Betroffene stattdessen tun können.

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So schätzen Experten die Musterfeststellungsklage gegen Mercedes ein

Musterfeststellungsklage Daimler: Was Verbraucher wissen müssen

  • Inhalt: Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbz) wirft der Daimler AG in der am 7. Juli 2021 eingereichten Musterfeststellungsklage (MFK) die bewusste Manipulation von Abgaswerten vor.
  • Auslöser: Die Klage bezieht sich auf rund 50.000 GLC- und GLK-Modelle mit OM651-Motor, die das Kraftfahrt-Bundesamt 2018 zurückrief – Ende 2021 verjähren die Ansprüche.
  • Ziel: Betroffene Mercedes-Käufer sollen entschädigt werden und Rechtsklarheit bekommen.
  • Ablauf: Verbraucher können sich der MFK anschließen, sobald das Klageregister beim Bundesamt für Justiz eröffnet ist.
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So schätzen Experten die Musterfeststellungsklage gegen Mercedes ein

Obwohl behördliche Rückrufe zahlreicher Mercedes-Modelle durch das Kraftfahrt-Bundesamt eine andere Sprache sprechen, bestreitet der Autohersteller bis heute, die Abgaswerte in Dieselfahrzeugen manipuliert zu haben. In Deutschland sind bislang, laut vzbz, rund 254.000 Daimler-Fahrzeuge von behördlichen Rückrufen aufgrund unerlaubter Abgasmanipulationen betroffen. Die nun beim Oberlandesgericht Stuttgart eingereichte Musterfeststellungsklage soll Mercedes-Käufern endlich Rechtsklarheit geben.

Experten begrüßen die Absicht der Klage, offene Rechtsfragen im Abgasskandal effizienter zu klären. Allerdings hat die Musterfeststellungsklage gegen VW gezeigt, dass Verbraucher oft besser beraten sind, wenn sie ihre Ansprüche im Abgasskandal individuell durchsetzen: Die VW-Klage endete in einem Vergleich, der den Verbrauchern im Schnitt zwischen 1.350 und 6.250 Euro brachte – laut Experten waren diese Beträge in vielen Fällen zu niedrig.

Doch es gibt noch weitere Argumente, die dagegensprechen, sich der MFK gegen Daimler anzuschließen.

Musterfeststellungsklage Daimler: Was Verbraucher wissen müssen

5 Risiken der Musterfeststellungsklage

  • Lange Verfahrensdauer: Anders als bei der Musterfeststellungsklage gegen Volkswagen sind die Inhalte der Mercedes-Musterfeststellungsklage noch komplexer, was auf eine lange Verfahrensdauer hindeutet. Denn bei Daimler geht es nicht nur um eine einzelne Abschaltvorrichtung wie bei VW, sondern um eine Reihe an Manipulationsvorwürfen. Doch selbst bei der VW Musterfeststellungsklage dauerte es zwei Jahre, bis ein Ergebnis erzielt wurde.
  • Betroffene müssen trotzdem selbst klagen: Die Musterfeststellungsklage ist für Geschädigte nur eine Etappe auf dem Weg zum Schadensersatz und ersetzt nicht die Einzelklage. Mit der Musterfeststellungsklage gegen Mercedes wird lediglich eine rechtliche Grundlage für Verbraucher geschaffen, die anschließend mit eigenem Anwalt vor Gericht klagen können – und damit länger auf ihre Entschädigung warten müssen.
  • Hoher Abzug für Nutzung betroffener Fahrzeuge: Die Länge des Verfahrens strapaziert nicht nur die Geduld der Kläger, sondern mindert auch die Höhe ihrer Schadensersatzzahlung. Denn je länger die MFK und die anschließenden Einzelverfahren dauern, desto höher fällt die sogenannte Nutzungsentschädigung für gefahrene Kilometer aus. Im schlimmsten Fall bleibt für die Fahrzeugbesitzer am Ende vom Schadensersatz kaum noch etwas übrig.
  • Betroffene riskieren ihre Ansprüche bei einem Negativurteil: Verlieren die Verbraucherschützer vor Gericht, sind damit alle Ansprüche der registrierten Verbraucher hinfällig. Denn ein Negativurteil bedeutet: Den Betroffenen ist kein Schaden entstanden und somit besteht für sie kein Anspruch auf finanzielle Entschädigung. Anders als bei einer individuellen Schadensersatzforderung außerhalb der MFK, gibt es keinen Verhandlungsspielraum.
  • Vergleich reduziert die Höhe der finanziellen Entschädigung: Die MFK gegen Volkswagen endete in einem außergerichtlichen Vergleich – ein Ausgang, der auch für Mercedes-Fahrer möglich ist und vom vzbz nicht ausgeschlossen wird. Sollte es dazu kommen, ist davon auszugehen, dass die Vergleichszahlungen für viele Verbraucher zu niedrig ausfallen werden.

Einzelklage oder Musterfeststellungsklage gegen Mercedes?

Musterfeststellungsklage Mercedes: Lohnt sie sich für Dieselfahrer?

Zwar erhöht die Musterfeststellungsklage nun den Druck auf den Daimler-Konzern und bringt neuen Schwung in den Abgasskandal. In den meisten Fällen lohnt sich jedoch in individuelles Anmelden des eigenen Schadenersatzes – vor allem aufgrund der aktuell bereits sehr verbraucherfreundlichen Ausgangslage. 

Zahlreiche Urteile werden aktuell bereits zugunsten von Mercedesfahrern entschieden – mit in der Regel hohen Entschädigungszahlungen. Eine Einzelforderung bleibt deshalb, nach Ansicht vieler Experten, auch nach der Einreichung der Musterfeststellungsklage die beste Option für Dieselfahrer, um ihr Recht im Abgasskandal zu erstreiten. Experten raten geschädigten Mercedes-Fahrern, genau zu prüfen, ob es sich für sie lohnt an der Musterfeststellungsklage gegen Mercedes teilzunehmen. Dafür empfiehlt sich im ersten Schritt den eigenen Anspruch kostenlos und unverbindlich zu prüfen: Mit dem Online-Check der VerbraucherRitter erhalten Dieselfahrer eine schnelle Ersteinschätzung und können unkompliziert ihre Möglichkeiten prüfen.

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