++ „Das, was wir gemacht haben, war Betrug.“ ++

VW-Chef spricht zum ersten Mal öffentlich von Betrug

Verbraucher haben aus dem Dieselskandal vor allem zwei Dinge gelernt: Deutsche Autokonzerne haben einen starken Einfluss auf die Politik und gestehen kaum Fehler ein. Und dennoch gibt es Momente, in denen selbst ein Vorstandsvorsitzender des größten Automobilherstellers der Welt öffentlich Einsicht zeigt. Ein solcher Moment sorgte am 18. Juni für kurze Stille im Fernsehstudio von „Markus Lanz“.

Seit Beginn des Abgasskandals haben Vorstände von Volkswagen, Audi, Porsche oder Daimler die Manipulationen stets heruntergespielt und auch juristisch wiederholt Einspruch eingelegt. Kein Manager oder Vorstandsvorsitzender wollte den Dieselskandal als das benennen, was er ist: Betrug. Zumindest bisher. Denn am 18. Juni 2019 war Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns, zu Gast in der Sendung „Markus Lanz“.

Für den Moderator der ZDF-Talkshow war die Tatsache, dass Herbert Diess überhaupt gekommen ist, eine große Überraschung. Lanz wies in der Sendung gleich zweimal darauf hin, dass die Berater solcher Konzerngrößen, wie Diess, normalerweise von Fernsehauftritten dieser Art abrieten. Und tatsächlich sieht man wirklich einflussreiche Vorstände von internationalen Unternehmen nur sehr selten im Fernsehen.

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Herbert Diess: erst zögerlich, dann folgen klare Aussagen

In der Sendung vom 18. Juni spricht Markus Lanz sehr lange mit dem VW-Chef. Diess erzählt merklich gerne über die Zukunft und das interne Vorhaben, alle Modelle Schritt für Schritt in Elektroautos umzuwandeln. Das sei laut Diess zurzeit die beste Alternative und würde sich überall durchsetzen. Doch Lanz bohrt auch bezüglich des Dieselskandals mehrmals nach. Erst umgeht Herbert Diess die Fragen des Moderators und erklärt: „Es hat sich bestätigt, dass das Problem fast von alleine verschwindet, dadurch, dass wir neue Diesel bekommen“. Mit dieser Aussage sagt der VW-Chef allerdings nur, dass das Problem für VW verschwindet, jedoch nicht für die Verbraucher mit älteren Dieselfahrzeugen.

Daraufhin hakt Lanz noch einmal nach:

„Hätten Sie das für möglich gehalten, dass die deutsche Autoindustrie auf dem Niveau manipuliert?“

Diess: „Nein, hätte ich nicht.“

Lanz: „Sie wussten auch nichts davon?“

Diess: „Nein.“

Dann folgt der Moment, als der Moderator von Herbert Diess wissen will, wie er das nennen würde, was da passiert ist. Diess antwortet ohne zu zögern: „Das, was wir gemacht haben, war Betrug.“ Es folgen wenige Sekunden von absoluter Stille im Fernsehstudio. Mit einem klaren Statement dieses Kalibers hatte wohl niemand gerechnet. Des Weiteren bestätigte der Vorstandsvorsitzende von VW in der Sendung, dass die ganze Affäre eine Management-Verantwortung war. In der Vergangenheit wurde oft behauptet, es handele sich um einzelne Ingenieure und Mitarbeiter, die Fehler gemacht hätten.

Verbraucher nun auch durch VW-Vorstand bestätigt

Die Aussagen von Herbert Diess haben für Volkswagen zwar keine juristische Relevanz, zeigen jedoch deutlich die neue öffentliche Position des Konzerns. Dieselgeschädigte können deshalb jetzt noch mehr auf Schadensersatz hoffen und sollten ihre rechtlichen Möglichkeiten prüfen lassen. Vor allem die Einzelklage ist das richtige Mittel, um seine Forderungen gerichtlich möglichst schnell durchzusetzen.

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SO GEHT'S